Elend Bikediebstahl

Gut zu merken: 2020 wurden fast 20.000 Motorräder gestohlen (genau genommen 19.260). Zugegeben, das ist zwar ‘nur’ knapp die Hälfte dessen, was noch 12 Jahre zuvor von den Straßen verschwand (2008: 53.190), aber mittlerweile liegt diese Zahl relativ stabil bei rund 30.000 Fällen pro Jahr – und jeder Einzelfall ist für die jeweiligen Besitzer verständlicherweise mehr als nur ärgerlich.

Grund genug, sich ein wenig Gedanken über eine mögliche Diebstahlprävention beim Motorrad zu machen … Wobei die erste Regel gilt: Diebe sind wie Wasser: Sieg gehen den Weg des geringsten Widerstands.

Die zweite: Die 120-Sekunden-Regel, die besagt, dass ein Profi meist weniger als 2 Minuten benötigt, ein Bike einzusacken. Wenn dein Schutz diesen Zeitraum verlängert, zieht er weiter.

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Was kann passieren?

Im Prinzip alles Mögliche. Ein Bike kann komplett entwendet oder nur die eine oder andere Komponente abgeschraubt werden. Besonders beliebt, weil schnell erledigt: Teure Nachrüstspiegel, Spezialschrauben und Bremshebel. Komplizierter verschraubte Teile wie Aftermarket-Auspuffanlagen und feste Koffer dienen hingegen eher als Anregung, das Motorrad selbst zu stehlen, um es dann später in Ruhe ausschlachten zu können.

Ist Diebstahlprävention beim Motorrad machbar?

Ja und Nein.

Ja, weil du die eine oder andere Maßnahme ergreifen kannst, um die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts so gering wie möglich zu halten.

Nein, weil selbst die geringste Wahrscheinlichkeit (Garagenfahrzeug mit Alarmanlage) noch einen Rest Unsicherheit birgt. Ist ein Motorrad wertvoll genug, findet sich oft auch jemand, der weder Risiko noch Aufwand scheut, es entwenden zu wollen.

So oder so: Was du benötigst, ist eine gute Strategie, die sich an deine persönliche Wohnsituation ausrichtet und die bei Bedarf in einzelnen Stufen ausbaufähig ist.

3-Stufen-des-Diebstahlschutzes_1

Vermeidungsstrategie Sichtschutz

Mache dir zu Nutze, dass Diebe in den meisten Fällen keine Zeit haben. Zeit ist schlecht für das persönliche Vorstrafenregister, denn mit jeder Minute, die zusätzlich aufgewendet werden muss, steigt das Risiko, entdeckt zu werden. Die für einen Motorradfahrer naheliegendste Prävention besteht deshalb daraus, ein Bike aus dem Sichtfeld zu rücken und nicht in sattem Glanz und mit fetter Einladungskarte direkt am Straßenrand zu positionieren.

Hier haben es Garagen- und selbst Carportbesitzer deutlich einfacher als Laternenparker. Zum einen wird niemand so schnell aufmerksam auf das zweirädrige Schätzchen, zum anderen müssen zusätzliche Hürden überwunden werden, falls es doch einmal passiert.

Hat man hingegen keine Wahl und muss sein Motorrad unbewacht an der Straße oder in einer Tiefgarage stehen lassen, wächst das Risiko, beklaut zu werden, mit jedem Tag. Scheiße passiert halt und irgendwann wird jemand vorbeistolpern, der das Bike als potenzielle Beute abmetert. Hinderlich dabei haben sich in der Vergangenheit überraschenderweise Abdeckhauben erwiesen, weil sie das Motorrad weitgehend den abschätzenden Blicken entziehen. Auch wenn jeder weiß, was sich unter der Plane befindet, werden abgedeckte Motorräder schlichtweg weniger beachtet. Wer erst neugierig unter einer Plane herumschnüffeln muss, um zu schauen, ob sich der Aufwand lohnt, wird sich vermutlich vorrangig an den Kollegen gütlich tun, die öffentlich präsentiert werden.

Übrigens: Was für die Wahl des Stellplatzes gilt, gilt ebenso für Ausfahrten. Hast du dein Bike bei Fahrpausen stetig im Blick, während du deine Semmelknödel verdrückst oder mal schnell hinterm Baum verschwindest, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es erfolgreich in den nächsten Sprinter verladen wird. Andersrum steigt sie, bspw. an Flohmärkten, Rummelplätzen und anderen Events, wo ein Dieb nur darauf achten muss, ob sich eine Maschine lohnt, ob und wie der Besitzer sie sichert und wann er oder sie in der Menge verschwindet.

Wenn dein Motorrad draußen parken muss, ist eine verbeulte, leicht angerissene Abdeckhaube oft ein besserer Schutz als die nagelneue Hightech-Plane von Louis. Diebe suchen nach maximalem Profit bei minimalem Risiko. Unter einer schmuddeligen Plane vermuten sie eher eine alte Pendler-Möhre als eine gepflegte Ducati.

Abschreckungsstrategie Wegfahrsperren

Nach dem Sichtschutz zünde die zweite Stufe der Diebstahlsvermeidung: Das Lenkschloss und die elektronische Wegfahrsperre, die sich nur mit dem Originalschlüssel deaktivieren lässt. Bei modernen Motorrädern sind beide Komponenten vorgeschrieben, bei älteren nur das Lenkschloss; die elektronische Wegfahrsperre lässt sich aber nachrüsten. Die schlechte Nachricht: Elektronische Wegfahrsperren und (eingeschränkt) auch Lenkschlösser (halten meist nur 5 bis 20 Sekunden stand) sind brauchbar, wenn es sich um Schutz vor einzelnen Gelegenheitsdieben beim Freiluftparken oder Tourpausen handelt. Bei professionellen Diebesbanden, die Motorräder kurzerhand mit ein paar Mann anheben und auf die Ladefläche eines Sprinters bugsieren, nützen sie hingegen wenig.

Dies gilt ähnlich auch für Alternativen aus dem Zubehörmarkt:

  • Bremsscheibenschloss: Wird um die Bremsscheibe herum angebracht und blockiert das Rad wirkungsvoll. Vorteile: Sehr kompakt, sehr schnell anzubringen, mitführbar. Nachteile: Kann samt Bike geklaut werden und darf nie vergessen werden! (Fährt man mit angebrachtem Bremsscheibenschloss los, wird der Bremssattel unweigerlich beschädigt. Immerhin: Es gibt sogenannte Reminder. Das sind Bänder, die am Gasgriff oder Bremshebel befestigt werden und den Fahrer darin erinnern sollen, dass die Bremsblockade noch aktiv ist. Wirkt aber auch nicht immer.)
  • Handbremshebelschloss: Zieht den Bremshebel an und blockiert so die Vorderbremse. Vorteile: Ebenfalls sehr kompakt, sehr schnell anzubringen und mitführbar. Nachteil: Kann samt Bike geklaut werden oder, da bei einem Diebstahl meist kaum Rücksicht auf Verluste genommen wird, umgangen werden, indem die Bremsleitung durchschnitten wird. Ebenfalls machbar, wenngleich auch zeitaufwendiger, ist das Abschrauben des Bremshebels.
  • Kleines Bügelschloss: Wird meist um ein Rad herum angebracht und blockiert es auf diese Weise. Vorteile: Meist sehr knacksicher, sehr kompakt, sehr schnell anzubringen und mitführbar. Nachteil (und jetzt im Chor): Kann samt Bike geklaut werden.
  • Kleines Kettenschloss: Funktioniert im Prinzip wie das Bügelschloss, lässt sich aber bequemer handhaben. Die Vor- und Nachteile sind ebenfalls die gleichen.

Wegtragsperre

Nicht nur als Wegfahr- oder Wegrollsperre fungieren die großen Vertreter der Bügel- und Kettenschlösser. Sie verbinden das Motorrad über den Rahmen oder ein Rad (vorzugsweise das Hinterrad, da das Vorderrad schnell ausgebaut ist) mit einer externen Komponente wie einem Laternenpfahl. Einfaches Wegtragen ist hier nicht mehr möglich und ein Dieb muss sich dann zeitaufwändig mit dem Schloss auseinandersetzen. Der Nachteil dieser großen und sehr soliden Schlösser: Weil sie so groß und schwer (und Bügelschlösser obendrein sperrig) sind, werden sie nur selten mitgeführt. Sie dienen nahezu ausschließlich als stationäre Lösung für Freiluft-Stellplätze, Tiefgaragen, Carports und Garagen.

Ketten- und Bügelschlösser existieren in verschiedenen Sicherheitsstufen. Je geringer diese ausfällt, desto schneller lässt sich die jeweilige Kette bzw. der Bügel mit einem großen Bolzenschneider (geht meist fix) oder einer akkubetriebenen Flex (braucht ein paar Minuten und ist sehr laut) aufbrechen. Für den Mantel um die Glieder eines Kettenschlosses herum wird meist noch ein Messer oder eine Schere benötigt, aber das wird ein Profidieb sehr wahrscheinlich dabei haben.

Vergiss nicht, jedes Schloss ist ein Witz und wertlos, wenn man das Bike einfach in einen Transporter heben kann. Ein Bodenanker bzw. Festmacher ist essenziell! Der Nachteil beim Bodenanker: In der Luft schwebende Ketten sind deutlich schwerer zu knacken, da ein Bolzenschneider den Boden als Hebelpunkt benötigt.

Abschreckungsstrategie Alarmanlage

Unterwegs wie Zuhause gleich praktisch sind Alarmanlagen. Sie nehmen kaum Raum ein, fungieren als Abschreckung (wenn sie bereits im Vorfeld visuell auf sich aufmerksam machen) und schlagen Diebe mit laustarker Empörung in die Flucht, sowie das Bike bewegt wird. Der Nachteil: Bei stürmischem Wetter kann so eine Alarmanlage auch durch den Wind ausgelöst werden und der Anbau sollte clever erfolgen. Einfache Alarmboxen, die sichtbar am Rahmen befestigt sind und bei Bewegung aktiv werden, lassen sich unter Umständen schnell ausschalten oder mindestens laustärkemindernd abdecken. Auch nützen die schrillsten Glocken nichts, wenn Diebe die stromführende Kabel instant lokalisieren können und nur abzuklemmen brauchen.

GPS-Tracker

Zunehmend setzen Biker GPS-Tracker ein, um ihr Motorrad jederzeit orten zu können. Diese Bauteile arbeiten mit Apps zusammen, die den aktuellen Standort eines Bikes mitteilen, welchen man dann bei einem Diebstahl an die Polizei (oder dem Club) weitergeben kann. Bei Trackern mit Alarmanlage und Bewegungsmeldern erhält der Besitzer obendrein sofortige Meldungen ans Handy, wenn das Bike bewegt, angefahren oder beschädigt wird. Weitere Features können sein: Notruf, Routenanzeige und Schräglagenanalyse.

Tracker werden in verschiedenen Formen und Größen angeboten und werden irgendwo am oder im Motorrad verbaut (je versteckter, desto besser). Einige kommen mit Batterien, andere mit Akkus und wieder andere laufen nur, wenn sie Strom aus dem Bordnetz erhalten. Sie müssen also via Kabel verbunden oder in Einzelfällen via ODB-2 angeschlossen werden. Die Akkus halten meist zwischen 3 Stunden und bis zu 4 Tage durch (je nach Beanspruchung), aber spätestens fürs Aufladen müssen sie an der Batterie angeschlossen sein. Hinweis: Ein Tracker kann ordentlich an der Batterie zehren und bereits nach einer Woche Fahrpause dafür sorgen, dass das Bike nicht mehr genügend Saft zum Starten vorfindet.

Die Kosten für einen Tracker liegen zwischen 50.- und 200.- Euro; bei den meisten kommen zusätzlich monatliche oder jährliche Extragebühren für eine verbaute SIM-Karte hinzu, die zum Kontakt mit dem Handy benötigt wird. So ein Abo kann weitere 60.- bis 100.- Euro pro Jahr betragen.

Ein Tracker alleine verhindert natürlich nichts. Bedenkt man, dass vom Zeitpunkt der ersten Berührung bis zum Einladen eines Motorrads bei Profis nur wenige Sekunden vergehen und man es in dieser Zeit nicht einmal schafft, rechtzeitig vom Klo zu kommen, ist eine zusätzliche Absicherung in Form eines Schlosses folglich angebracht. Selbst, wenn die Benachrichtigung des Trackers instant auf dem Handy erfolgt – was nicht immer der Fall ist. Außerdem nutzen Profis mittlerweile Störsender (sogenannte ‘Jammer’). Hiergegen hilft die Platzierung des Trackers an einer Stelle, die nicht sofort offensichtlich ist.

FAQ

Reicht das Lenkradschloss nicht aus?

Definitiv nein. Ein kräftiger Ruck am Lenker bricht den Bolzen des Lenkradschlosses bei vielen Modellen in Sekunden. Es ist lediglich ein Basisschutz für die Versicherung, kein Hindernis für Diebe.

Was ist der sicherste Ort für mein Motorrad?

Eine abgeschlossene Einzelgarage mit Bodenanker ist ein kleines Optimum. In öffentlichen Tiefgaragen solltest du dein Bike unbedingt an einen Pfeiler ketten und zusätzlich eine Plane verwenden.

Zahlt die Versicherung immer bei Diebstahl?

Nur wenn du eine Teil- oder Vollkaskoversicherung hast. Wichtig: Du musst meist nachweisen können, dass das Bike gesichert war (z.B. durch die Schlüssel des Lenkradschlosses). Fotos von der Sicherung können im Schadensfall helfen.

Fazit

Die beste Diebstahlprävention bei Motorrädern ist eine abschließbare Garage. Ergänzt durch eine Alarmanlage und (für paranoide Zeitgenossen) einem starken Kettenschloss kann dann kaum noch etwas passieren. Wer hingegen über keine Garage verfügt, sollte auf verschiedene Kombinationen aus Sichtschutz und Wegfahrsperren setzen.

Wie bereits erwähnt, das Beste ist, gar nicht erst gesehen zu werden, und ab da gilt: Je mehr Zeit ein Dieb aufwenden muss, um ein Motorrad zu stehlen, desto wahrscheinlicher lässt er es stehen. Eine Kombination aus Abdeckhaube + Wegfahrsperre + Bremsscheibenschloss vorne + Kettenschloss hinten bietet folglich gute Chancen, von Dieben für lange Zeit unbehelligt zu bleiben. (Für unterwegs setzt man entsprechend auf die kleineren Exemplare der physikalischen Wegfahrsperren im Verbund mit einer Alarmanlage oder einem GPS-Tracker mit Warnfunktion.)

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