
Was ist Fading?
Als Fading wird eine nachlassende Bremswirkung aufgrund einer zeitlich andauernden hohen thermischen Belastung des Bremssystems bezeichnet. Beispielhaft sei hier die Anforderung an das System bei Passabfahrten aufgeführt. Im Extremfall kann die anhaltende Wirkungsbeeinträchtigung in einem Bremsausfall münden.
Ursachen
Das Problem der nachlassenden Bremswirkung tritt auf, wenn die Bremsen des Motorrads über einen längeren Zeitraum oder während intensiver Bremsmanöver hohe Temperaturen erreichen. Dies führt dazu, dass die Reibungsmaterialien in den Bremsbelägen und -scheiben an Effektivität verlieren.
Belag- und Flüssigkeitsfading:
Beim mechanisch bedingten Belag-Fading gasen bei extremer Hitze (über 400 °C) die Bindemittel der Bremsbeläge aus. Es entsteht ein dünner Gasfilm zwischen Belag und Scheibe – ähnlich wie beim Airhockey-Tisch, der Reibwert sinkt dramatisch.
Beim hydraulischen Flüssigkeits-Fading wird die Bremsflüssigkeit zu heiß, das im Lauf der Zeit gebundene Wasser verdampft und bildet Dampfblasen im System. Da das entstandene Gas wesentlich komprimierbarer als die Bremsflüssigkeit ist, kommt beim Ziehen des Hebels kein Druck an den Kolben an.

Symptome
Fading äußert sich in einer spürbaren Abnahme der Bremskraft und einem längeren Bremsweg. Die Bremshebel oder Bremspedale können weicher wirken, und die Bremse kann schwieriger zu modulieren sein.
In der Ausprägung können unterschiedliche Grade erreich werden, wobei das harmlosere sogenanntes grüne Fading auftritt, wenn die Reibungsoberflächen nur leicht überhitzt sind und zu einem vorübergehenden Leistungsabfall führen. Blaues Fading ist hingegen ernster und tritt auf, wenn Bremsen extrem heiß werden und die Reibungsmaterialien ihre Effektivität komplett verlieren. Gleiches gilt für den Fall, dass die gebildeten Gase keinen Druck mehr auf die Beläge erlauben.
Prävention
- Die regelmäßige Wartung der Bremsanlage ist entscheidend. Bremsbeläge und -scheiben sollten regelmäßig auf Verschleiß überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden, ebenso die Bremsflüssigkeit, die im Laufe der Zeit Wasser bindet.
- Ein rechtzeitiger Austausch der Flüssigkeit (spätestens alle zwei Jahre, in Bergregionen eher saisonal) hilft, den Siedepunkt der Bremsflüssigkeit oben zu halten, während hochwertige Bremsflüssigkeit (und belüftete Bremsscheiben) dazu beitragen, die Wärmeableitung zu verbessern.
- Ebenfalls wichtig: Die korrekte Einstellung der Bremsen und die sorgfältige Entlüftung des Bremssystems.
- Lerne ferner, Bremsen bewusst einzusetzen und nicht unnötig zu beanspruchen, bspw. durch Einsetzen von Techniken wie Motorbremsung oder die Verlagerung des Schwerpunkts. Insbesondere in Bergabfahrten oder während intensiver Bremsmanöver sollte die Bremse abwechselnd eingesetzt werden, um Überhitzung zu minimieren. Hinweis: Dies ist kein Aufruf zu “weniger bremsen” (besser ein Mal zu viel als zu wenig), aber einer zu mehr Fahrtraining.
Hinweis zur Wassereinlagerung: Bremsflüssigkeit ist von Natur aus hygroskopisch, das heißt, sie zieht Wasser. Schon 3 % Wasseranteil senken den Siedepunkt so weit, dass Fading bei einer Passabfahrt fast garantiert ist. Verwende einen Bremsflüssigkeitstester, der dir den Zustand der Flüssigkeit signalisiert (meist in den Farben Grün (<1 % Wasseranteil), Gelb (ca. 2 %) und Rot (>3 % Wasseranteil). Beachte aber, dass der Wasseranteil in den Bremssätteln höher sein kann als oben am Vorratsbehälter! Im Zweifel gilt: Tausche bereits bei Gelb!
FAQ
Typische Anzeichen sind ein wandernder Druckpunkt, ein ‘weicher’ Bremshebel, den man weiter als üblich durchziehen kann, sowie ein spürbares Nachlassen der Verzögerung trotz hoher Handkraft.
Sofort die Geschwindigkeit verringern, die Motorbremse durch Herunterschalten nutzen und die betroffene Bremse so weit wie möglich entlasten, damit sie durch den Fahrtwind abkühlen kann. Im Notfall sicher anhalten.
Vermeide Dauerbremsen (‘Schleifbremsung’). Nutze stattdessen kurze, kräftige Bremsimpulse und lass dazwischen los. Nutze konsequent die Motorbremse in kleineren Gängen.



