
Kettenantrieb Motorrad
Die Kette dient neben Kardan und Zahnriemen der Kraftübertragung zum Hinterrad bei Motorrädern. Die Normung ist in der europäischen DIN 8187-1 bzw. ISO 606 festgelegt, deren wichtigste Kennbuchstaben die folgenden sind:
Weitere Kriterien:
Kettengrößen
Je nach Motorradmodell bzw. je nach Leistung wird eine andere Kette verbaut. Welche genau es sein muss, steht im Handbuch, meistens als Vermerk mit Bezug auf die Normgröße. Im Bild unten eine Liste der gängigsten Größen.
Abmessungen


Kettentuning
Im Rennsport ist es gängig, auf eine 520er Kette zu setzen statt der sonst üblichen 525er oder 530er, weil sie leichter ist und lässt den Motor schneller hochdrehen lässt. Kann man machen, wenn die Zugfestigkeit passt und die Kette eine hohe Qualität hat. Billige 520er reißen auf leistungsfreudigen Maschinen im ersten harten Antritt weg. Mit allen möglichen Folgen.
Kettenaufbau
Schmierung
Geschmiert werden Ketten bekanntermaßen durch Kettenspray, vereinzelt aber auch über automatische Öler, die Öl während der Fahrt auf die laufende Kette träufeln lassen. So oder so: Entscheidend ist immer das Fett in der Kette (also hinter den O-, X-, sonstwas-Ringen). Das Spray von außen schützt primär die Rollen vor Reibung am Kettenrad und die Ringe selbst vor dem Austrocknen von außen.
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Kettenrad
Das beim Kettenantrieb hintere Zahnrad wird als Kettenrad oder Kettenblatt bezeichnet. Im Sprachgebrauch weniger üblich ist der Begriff ‚Abtrieb‘ (in Bezug auf das Ritzel, dass auch als ‚Antrieb‘ bezeichnet wird), stimmt aber ebenso.
Das Kettenrad ist das größere Zahnrad des Antriebsduos ‚Ritzel<->Kettenrad‘ und kann, wie das Ritzel, verändert werden, um Einfluss auf Anzug und Geschwindigkeit des Bikes zu nehmen (siehe auch Übersetzung).
Kettenritzel
Das Wort ‚Ritzel‘ ist ein gutes Beispiel für ein Wort, dem durch Sprachverwirrung jeder Sinn ausgetrieben wurde: Laut Deutscher Industrienorm ist bei Zahnradpaaren (beispielsweise Kettenrad/Ritzel) das Ritzel das kleinere Rad von beiden – es sei denn, es ist in Motorrädern verbaut. Dann ist es generell das Zahnrad auf der Motorseite, selbst wenn es größer als das Kettenblatt ausfällt. Beim Fahrrad hingegen sind auch die hinteren Zahnräder als Ritzel zu bezeichnen.
Aber wie auch immer: Als Biker reicht es zu wissen, dass das Ritzel das vordere Zahnrad beim Sekundärantrieb ist – und gerne zum Tuning verändert wird, beispielsweise mit einem Zahn weniger für besseren Anzug oder einem Zahn mehr für eine höhere Geschwindigkeit (siehe auch Übersetzung).

Mögliches Ritzelmaterial
- Stahl (Standard): Hält lange, ist schwer.
- Alu (Rennsport): Extrem leicht, aber nach 5.000 km oft schon Haifischzähne.
- Stealth-Kettenräder: Innen Alu (leicht), außen ein Zahnkranz aus Stahl (haltbar), perfekt für Ästheten und Kilometerfresser.
Nett zu wissen
Polygoneffekt
Keine Kette läuft komplett vibrationsfrei. Da sie über ein Vieleck (dem Ritzel) läuft, schwankt die Geschwindigkeit minimal – je kleiner das Ritzel, desto stärker der Effekt und der Verschleiß.
Hinweis: Wer vorne auf ein kleineres Ritzel umsteigt (kürzere Übersetzung), stresst die Kette durch engere Biegeradien massiv mehr.
Längung
Es heißt zwar, dass eine Kette ‘ausleiert’, weil das Material sich dehnt und sie sich längt, aber im Prinzip ist es nicht der Stahl, der sich wie Pinoccios Nase in die Länge zieht, sondern die Bolzen und Buchsen, die durch mangelnde Schmierung einlaufen (Pitting).
Um die Längung einer Kette zu testen, ziehe nicht nur Selbige hinten am Kettenrad ab. Schau dir auch das Laufbild der Rollen an. Sind sie einseitig glänzend? Dann fluchtet das Hinterrad nicht (Schwingenmarkierungen sind oft ungenau!).
FAQ
Immer so, wie der Hersteller es vorgibt (meist auf dem Seitenständer). Und denke immer dran: Wenn du draufsitzt, muss die Kette am strammsten Punkt (und eventuell mit Zusatzladung) noch leichtes Spiel haben. Eine zu stramme Kette killt dein Getriebeausgangslager!
Petroleum ist der Geheimtipp der alten Schule. Es ist (noch relativ) günstig und greift die Ringe nicht an. Aggressive Kaltreiniger haben an der Kette nichts verloren, die spülen das Fett hinter den Ringen raus.
Dreh’ das Hinterrad auf dem Montageständer und prüfe den Durchhang an verschiedenen Stellen. Variiert er stark? Dann ist die Kette Schrott, egal wie gut sie sonst noch aussieht. Die verschiedenen Längungen schlagen auf die Lager und machen das Fahrverhalten unruhig.







