Medien-Tipp: 'Paris, Blitz Motorcycles'

Es gab eine Zeit, in der böse Zungen behaupteten, ein Vergleich der deutschen Motorradszene mit der französischen ergäbe in erster Linie ein Plus an Vereinsmeierei für eine Seite (welche wohl?). Gleichzeitig attestierte man der anderen eine gelebte Kultur, die kaum Technik zelebriere und aus Versehen auch Motorräder umfasse. Konnte man so sehen. Kann man wohl auch immer noch, wenn sich der Blickwinkel auf gut besuchte Motorradgottesdienste beschränkt, auf Harley-Days mit Fischbuden oder auf das hektische Bekreuzen, wenn die Rede von Kutten-tragenden Club-Members aus der Hölle ist.

Medien-Tipp: 'Paris, Blitz Motorcycles'
Blitz Motorcycles auf arte

Kultur aus dem Outback

Nichtsdestotrotz und allen Weihnachtsausfahrten mit angeklebten Rauschebärten zum Trotz haben wir aber auch unangepasste Zeitgenossen, die den Karren für uns kulturell aus dem Dreck ziehen und für Zweiräder mehr übrig haben als regelmäßige Schauläufe zum nächsten Motorradtreffpunkt. Ein Beispiel sind die Schrauberbuam, die trotz anglophiler Schlagseite eigenständig genug schrauben, dass man ihnen sogar den Stolz aufs bayrische Outback abnimmt. Ein anderes die ein wenig gesitteter auftretenden Werkstatt- und Schreibtischtäter von Custombike, die ihr Hochglanzmagazin allen Widrigkeiten zum Trotz über Crowdfunding auf die Beine stellten, sich quer zur etablierten Szene positionierten und von dort die Szene bereichern.

Vereinsmeierei rund um den Champs Elysees

Demgegenüber: Was haben die Franzosen vorzuweisen, das den Hinweis auf gelebte Kultur rechtfertigt, außer gefühlt 80 Millionen Rollerfahrer rund um den Champs-Elysees? Nun, sie haben Blitz Motorcycles, eine Custom-Schmiede in Paris, die in erster Linie an Vergasermotorrädern aus den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts herumschraubt und in Café Racer und individualisierte Eigenkreationen verwandelt. So eigenwillig im Design, dass sie einen kleinen Hype um sich selbst herum auslösten, der ihnen viele Freunde auch aus nicht Motorrad-affinen Kreisen bescherte.

Dadurch, und durch die hohen Preise, die der Hype selbst für die hauseigenen Merchandise-Produkte mit sich brachte, verblasst der Charme zwar ein wenig, der auf arte ausgestrahlten Sendung gelingt es aber trotzdem, den ursprünglichen Flair des Unternehmens zweier Autodidakten einzufangen und zu transportieren, sei es bei ihrer Arbeit in ihrer Heimat Paris oder beim Abstecher zum Wheels and Waves in Biarritz.

Kurioses Faktum dabei: Die Franzosen basteln offensichtlich gerne an des Deutschen liebste Motorradmarke, BMW, herum und verleihen ihr jenen Charme, den sie sonst trotz oder vor lauter Technik einfach nicht hinbekommt. Wenn man denn bereit ist, Stilbrüche in Kauf zu nehmen – wie einen sichtbar gebrauchten Tank einer anderen Firma im Shabby-Look, der auf einem Boxermotor thront. Was aber kein Problem sein sollte, schließlich sind wir keine auf reine Technik limitierten Vereinsmeier 😉 … womit sich der Kreis schließt und die GEO-Reportage auf arte allen Custom-Bike-Freunden und Motorrad-Fans wärmstens ans Herz gelegt wird.

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