
Übersetzung Kettenrad/Ritzel
Die Übersetzung des sekundären Kettenantriebs bei einem Motorrad ist werksseitig vorgegeben und bestimmt über das Verhältnis zwischen dem vorderen Zahnrad (Ritzel) und dem hinteren Zahnrad (Kettenrad) dessen Leistungsverhältnis in Bezug auf Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung.
Was auch bedeutet, dass dieses Verhältnis neu definiert werden kann, indem die Menge der Zähne am Ritzel und/oder dem Kettenrad geändert wird. Aber Achtung: Die originale Ausgestaltung des Kettenantriebs eines Motorradmodells ist ein wesentliches Konstruktionsmerkmal, das auch die Rahmenbedingungen für die Fahrstabilität setzt. Bei einer individuell vorgenommenen nachträglichen Änderung erfolgt somit ein Eingriff in die Betriebssicherheit des Motorrads, die wiederum eine Abnahme durch eine Prüforganisation wie den TÜV erforderlich macht. Bis zur bestandenen Abnahme ist die Betriebserlaubnis erloschen.
Es gilt: Änderungen der Übersetzung über ca. 8 % beeinflussen das Abgas- und Geräuschverhalten so stark, dass ein neues Gutachten fällig wird.
Mögliche Übersetzungstypen
Hinweis: Entscheidest du dich bei kleineren oder untermotorisierten Bikes für ein größeres Ritzel, kann deine theoretisch höhere Endgeschwindigkeit schnell auf der Strecke bleiben, wenn der Luftwiderstand dem Motor im höchsten Gang die Puste (Leistung) raubt. Dann wird das Bike einfach nur träge und erreicht die Endgeschwindigkeit gar nicht erst.
Nebeneffekte
Der Tacho-Effekt
Ein extrem wichtiger Punkt bei modernen Bikes: Da der Geschwindigkeitssensor oft am Getriebeausgang (Ritzel) sitzt, zeigt der Tacho nach einer Änderung der Übersetzung völlig falsche Werte an. Hier können sogenannte ‘SpeedoHealer’ oder ähnliche Module zur Korrektur aushelfen.
Der Polygon-Effekt
Ein kleineres Ritzel (z. B. von 15 auf 14 Zähne) lässt die Kette in einem engeren Radius laufen. Das erhöht den Verschleiß an der Kette und dem Schwingenschleifer massiv. Die Empfehlung lautet oft: Lieber hinten größer werden als vorne kleiner.
Kettenlänge
Bei extremen Änderungen (z. B. 3 Zähne mehr am Kettenrad) kann die originale Kette plötzlich zu kurz sein. Plane das deshalb bei der Kostenkalkulation gleich mit ein.
Terminologie
Nicht verwirren lassen: In der Werkstatt-Praxis sagen viele Biker prinzipiell immer “Übersetzung ändern”, auch wenn sie eigentlich eine Untersetzung meinen.
FAQ
Ein kleineres Ritzel sorgt für eine kürzere Übersetzung. Das Bike beschleunigt spürbarer aus dem Keller, verliert aber an Höchstgeschwindigkeit. Achtung: Ein zu kleines Ritzel erhöht den Verschleiß der Kette und des Schwingenschleifschutzes.
Beide Maßnahmen verkürzen die Übersetzung. Ein größeres Kettenrad ist jedoch schonender für die Kette, da diese nicht in einem so engen Radius um das Ritzel laufen muss. Oft muss bei einem deutlich größeren Kettenrad aber eine längere Kette montiert werden.
Ja. Die Übersetzung ist Teil der Betriebserlaubnis (wegen Geräusch- und Abgaswerten). Eine Abweichung führt zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. In der Regel werden Änderungen bis zu einer gewissen Toleranz (oft 8 %) per Einzelabnahme eingetragen.
Das kommt darauf an, wo dein Motorrad die Geschwindigkeit misst. Wird am Vorderrad gemessen (Tachoantrieb/ABS-Sensor), bleibt alles beim Alten. Misst der Sensor am Getriebe/Ritzel, zeigt der Tacho nach der Änderung falsche Werte an und muss elektronisch angeglichen werden. Alternative: Neuen Tacho kaufen, der am Vorderrad die Geschwindigkeit abnimmt.
Nein, die Motorleistung bleibt gleich. Es ändert sich lediglich das Drehmoment, das am Hinterrad ankommt. Das Bike wirkt spritziger, muss aber bei gleicher Geschwindigkeit höher drehen.

