Kurbel- sowie Nockenwellenpositionen bestimmen und Riemen ausbauen

Damit sich die Kurbel- und Nockenwellen in der richtigen Position zum Ausbau der Riemen befinden, muss die Punktmarkierung auf dem zentralen Riemenrad mit einer eingestanzten Kerbe auf dem Motorblock übereinstimmen.

Mit Spezialwerkzeug

Ducati bietet drei spezielle Hilfswerkzeuge zum Zahnriemenwechsel an: einen Nutschlüssel zum Drehen des zentralen Riemenrads, einen Kurbelwellen- und einen Nockenwellenblocker (von dem man/frau zwei benötigt).

Ersterer setzt auf die Nutschraube des zentralen Riemenrads auf und ermöglicht das Drehen der Riemen.

Der Kurbelwellenblocker wird auf der gegenüberliegenden Motorseite (Lichtmaschinenseite) eingesetzt. Hierzu muss die Wartungsklappe abgeschraubt, das Werkzeug auf die Kurbelwelle gesetzt und anschließend gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden, bis sich die Punktmarkierung des zentralen Riemenrads auf der Höhe der Markierung auf dem Motorblock befindet.

Danach kommen die Nockenwellenblocker zum Einsatz. Schraube oben in den Zylinderblöcken die 8-Millimeterschrauben aus den Wartungsdeckeln und setze stattdessen die Blockadestifte ein. Damit sitzen die Nockenwellen fest und können sich nicht wegdrehen, wenn die Zahnriemen ausgebaut werden.

Ohne Spezialwerkzeug

Wer keine Fachwerkstatt sein Eigen nennt oder obsessiver Werkzeugsammler ist, mag wenig Sinn darin erkennen, schmerzhaft teures Werkzeug für einige wenige Gelegenheiten anzuschaffen. In dem Fall behelfe dir mit einigen provisorischen Kniffen – die allerdings nur bei 2-Ventilern den gewünschten Effekt haben, nicht jedoch bei Maschinen mit 4 Ventilen pro Zylinder (zumeist Sportbikes):

Schritt 1

Falls noch nicht geschehen, bocke das Hinterrad auf, damit es frei drehbar wird. Lege einen hohen Gang ein und drehe das Rad nach hinten (gegen den Uhrzeigersinn von der linken Seite aus gesehen), bis sich die Punktmarkierung des zentralen Kurbelwellen-Riemenrads auf der Höhe der Markierung auf dem Motorblock befindet. In dieser Position befindet sich der Kolben des waagerechten Zylinders am oberen Totpunkt.

Zeigt der Farbmarker auf die Kerbe im Motorgehäuse, befindet sich der Kolben des waagerechten Zylinders am oberen Totpunkt. Dies ist die Einstellung zum Wechsel der Riemen – allerdings müssen bei vielen Modellen ferner die aktuellen Positionen der Nockenwellen separat gekennzeichnet werden.
Zeigt der Farbmarker auf die Kerbe im Motorgehäuse, befindet sich der Kolben des waagerechten Zylinders am oberen Totpunkt. Dies ist die Einstellung zum Wechsel der Riemen – allerdings müssen bei vielen Modellen ferner die aktuellen Positionen der Nockenwellen separat gekennzeichnet werden.
Schritt 2

Je nach Motorradmodell und/oder Vorbesitzer verfügen auch die Nockenwellen-Riemenräder des senkrechten und waagerechten Zylinders über Punktmarkieren sowie korrespondierende Marker auf den Gehäusewänden.  Fehlen sie (meistens bei Plastikgehäuseteilen), musst du selbstständig tätig werden und die Markierungen nachholen.

Übergehe diesen Schritt auf keinen Fall. Du determinierst mit den Markierungen die aktuellen Positionen der Kurbelwelle, der Nockenwellen und der Riemen, sodass Selbige exakt reproduziert werden können.

(Würdest du die Blockadestifte verwenden, verhinderten diese eine Positionsänderung der Nockenwellen nach Ausbau der Riemen. Ohne Blockierung kann es allerdings passieren, dass eine Nockenwelle nach dem Riemenausbau die Position ändert. Ignorierst du das und baust den neuen Riemen ein, ohne die Positionsveränderung zu korrigieren, riskierst du einen kapitalen Motorschaden. Ohne Marker lassen sich die ursprünglichen Positionen kaum fehlerfrei ermitteln.)

Zur Positionsfixierung des waagerechten Riemens markiere zunächst einen Zahn am zentralen Riemenrad sowie einen Teil des Rads, so dass du eine durchgehende Linie erhältst. Achte ferner darauf, dass die Punktmarkierung auf die Kerbe zeigt und stelle sicher, dass deine Markierungen gut zu sehen sind. Verwende keinen leicht abzuwischenden Marker.

Am Kurbelwellen-Riemenrad fällt für den waagerecht laufenden Riemen nur eine Markierung über zwei Bauteile an: Riemenrad und Riemen.
Am Kurbelwellen-Riemenrad fällt für den waagerecht laufenden Riemen nur eine Markierung über zwei Bauteile an: Riemenrad und Riemen.

Zeichne auf der Nockenwellenseite des waagerechten Zylinders eine geschlossene Linie vom Gehäuse über einen Zahn des Zahnriemens bis hin zum Rad selbst. Du kannst einen beliebigen Zahn nehmen, in der Regel wird es einer der oberen sein. Stelle sicher, dass die Linie durchgehend gerade vom Gehäuse über einen Zahn des Zahnriemens bis hin zum Rad verläuft, also alle drei Bauteile eindeutig durch die Linie verbunden sind.

Am Nockenwellen-Riemenrad fällt für den waagerecht laufenden Riemen eine Markierung über drei Bauteile an: Riemenrad, Riemen und Zahnriemengehäuse.
Am Nockenwellen-Riemenrad fällt für den waagerecht laufenden Riemen eine Markierung über drei Bauteile an: Riemenrad, Riemen und Zahnriemengehäuse.

Wiederhole die Aktion am senkrechten Zylinder.

Auch am senkrecht laufenden Riemen fällt eine druchgehende Markierung über drei Bauteile an: Riemenrad, Riemen und Zahnriemengehäuse.
Auch am senkrecht laufenden Riemen fällt eine durchgehende Markierung über drei Bauteile an: Riemenrad, Riemen und Zahnriemengehäuse.
Schritt 3

Baue den waagerechten Zahnriemen aus. Löse hierzu die beiden Halteschrauben der Laufhülsen, mit denen die Riemenspannung erfolgt. Ist der Riemen locker, kannst du ihn von den Rädern abziehen.

Baue zuerst den waagerecht laufenden Riemen ab, belassse den senkrechten aber noch an seinem Platz …
Baue zuerst den waagerecht laufenden Riemen ab, belasse den senkrechten aber noch an seinem Platz …
Schritt 4

Belasse den oberen Riemen noch eingebaut und übertrage die beiden Markierungen des alten Riemens exakt auf den neuen, sodass in beiden Fällen der gleiche Zahnabstand zwischen den Markierungen anfällt.

Hierzu zähle die einzelnen Zähne zwischen den Markierungen. Wie, ist egal, sorge nur dafür, dass du die Zählmethode bei der Übertragung nicht änderst. Hast du beim Original die markierten Zähne mitgezählt, muss dies auch beim neuen Riemen der Fall sein. Ein Zahn zu viel oder zu wenig kann den Motor zerstören. Sei also über-sorgfältig.

Zähle die Anzahl der Zähne, die zwischen den Markierungen liegen. Übernehme auf gar keinen Fall die hier angegebenen Werte. Je nach Setzen der Markierungen fällt die Anzahl der Zähne anders aus. Auch für den Fall, dass vergessen hast, Markierungen zu setzen, kannst du NICHT auf diese Werte hier zurückgreifen!
Zähle die Anzahl der Zähne, die zwischen den Markierungen liegen. Übernehme auf gar keinen Fall die hier angegebenen Werte. Je nach Setzen der Markierungen fällt die Anzahl der Zähne anders aus. Auch für den Fall, dass vergessen hast, Markierungen zu setzen, kannst du NICHT auf diese Werte hier zurückgreifen!

Lege den neuen Riemen mit den übertragenen und kontrollierten Markierungen zur Seite und entsorge den alten.

Schritt 5

Markiere anschließend den noch verbauten senkrechten Zahnriemen zusätzlich zu der bereits vorhandenen ersten Markierung mit einer weiteren unten.

Hierzu kennzeichne einen Zahn des Riemens sowie die korrespondierende Mulde am hinteren Kranz des Riemenrads. Dort konntest du vorher nicht rankommen, weil der waagerechte Riemen die Stelle verdeckte.

Wie beim waagerecht laufenden Riemen fällt auch beim senkrechten am Kurbelwellen-Riemenrad nur eine Markierung über zwei Bauteile an: Riemenrad und Riemen.
Wie beim waagerecht laufenden Riemen fällt auch beim senkrechten am Kurbelwellen-Riemenrad nur eine Markierung über zwei Bauteile an: Riemenrad und Riemen.

Demontiere den senkrechten Zahnriemen und übertrage auch dort die Markierungen des alten Riemens auf den neuen.

Wie gehabt: Markierungen exakt übertragen, sodass die Anzahl der zwischenliegenden Zähne bei beiden Riemen gleich ist.
Wie gehabt: Markierungen exakt übertragen, sodass die Anzahl der zwischenliegenden Zähne bei beiden Riemen gleich ist.

Kennzeichne außerdem den senkrechten Riemen mit einem Buchstaben, um zu verhindern, dass die beiden Riemen später vertauscht eingebaut werden können. (Bringe den oberen und unteren Zahnriemen keinesfalls durcheinander, da sich die Markierungen mit größter Sicherheit unterscheiden.)

Bei Bedarf reinige als Zwischenschritt das Zahnriemengehäuse.

Shorts: Vorbereitungen – Zahnriemenkasten öffnen – Kurbel- und Nockenwellenpositionen bestimmen und Riemen ausbauen – Riemen einbauen – Riemenspannung einstellen