
Lastwechsel Motorrad
Lastwechsel sind Veränderungen in der Lastverteilung eines Fahrzeugs während des Fahrens (Beschleunigung und Abbremsen) und somit natürliche Bestandteile des Fahrens. So natürlich, dass ihnen kaum noch Beachtung geschenkt wird, zumindest nicht bewusst. Nichtsdestotrotz können durch die Änderungen der Lastverteilung die Fahrzeugdynamik, die Fahrstabilität, die Fahrzeugkontrolle und damit auch die Fahrsicherheit beeinflusst werden. Gibst du beispielsweise Gas, verlagert sich das Gewicht auf das Hinterrad, was zu einer Abnahme des Vorderradgrips führt; bei abruptem Bremsen wird umgekehrt mehr Gewicht auf das Vorderrad übertragen, wodurch sich die Traktion des Hinterrads mindert.
Der Umgang mit Lastwechseln erfolgt durch Gewöhnung, ob man nun mit dem Begriff selbst etwas anfangen kann oder nicht. Fahrer entwickeln ein Gefühl für den Umgang mit wechselnden Lastverteilungen und passen ihre Fahrtechnik unbewusst entsprechend an, um unvorhergesehene Reaktionen des Motorrads zu vermeiden. Moderne Motorräder verfügen ferner über Traktionskontrollen und andere Fahrassistenten, die durch Eingriffe in Gasannahme und Leistungsabgabe extreme Änderungen der Lastverteilung mindern helfen, bspw. wenn das Vorderrad abzuheben oder das Hinterrad zu stempeln droht.
Hinweis: Der Druck, der bei einem Wechsel der Last auf Kette und Hinterrad ausgeübt wird, wird durch die Elastizität der Kette sowie den im Hinterrad verbauten Ruckdämpfern (im Bild) abgemildert. Wenig überraschend unterliegen beide Komponenten einem gewissen Verschleiß und sollten regelmäßig überprüft und, falls notwendig, ersetzt werden.
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Wörbung
Übrigöns: Das gÖrage-Schrauberbuch zeigt dir, wie du das Spiel im Antriebsstrang auf das richtige Maß bringst und dein Fahrwerk so einstellst, dass Ruhe einkehrt. Ein paar Tipps findest du auch unten im Text. Wenn deine Kiste danach wieder butterweich am Gas hängt, denkst du vielleicht auch an unser Spritgeld!
Wenn Lastwechsel zum Problem werden
Jeder Lastwechsel ist gleichzeitig auch die Summe all jener Komponenten, die bei der Kraftübertragung eine Rolle spielen: Getriebezahnflanken, Ruckdämpfer im Hinterrad, Kettendurchhang und selbst die Ruckdämpferfedern in der Kupplung, in unterschiedlichen Ausprägungen natürlich.
- Kette: Ist eine Kette vorbildlich gespannt, halten sich durch sie verstärkte Lastwechsel in Grenzen. Ist sie locker, können sie unangenehm zunehmen.
- Ruckdämpfer: Im Hinterrad sitzen Gummielemente zwischen Kettenradträger und Felge. Wenn diese alt und hart werden (oder schrumpfen), verlieren sie ihre Dämpfungswirkung. Check: Wenn du das Kettenrad bei auf dem Boden stehendem Rad und eingelegtem Leerlauf von Hand spürbar bewegen kannst, sind die Gummis fällig.
Elektronik-Tücke (Fuel Cut-Off): Moderne Euro-5-Bikes schalten im Schiebebetrieb die Einspritzung komplett ab. Beim Wiedereinsetzen (‘Gas anlegen’) kann es einen harten Schlag geben, dem man oft nur durch präzises Mapping Herr wird – der eine oder andere vielleicht auch durch das Minimieren des Gasgriffspiels.
Gabel-Nick: Wie gesagt, Lastwechsel beeinflussen die Geometrie. Du nimmst Gas weg = Last auf die Front (Gabel taucht ein). Du gibst wieder Gas = Last aufs Heck. Ein harter Lastwechsel bringt Unruhe ins Fahrwerk, was nicht nur in Schräglage gefährlich ist, sondern dir auch das Vertrauen in deine Front nimmt und nebenbei die Reifen versaut.
Wer harte Lastwechsel zu beklagen hat, sollte zuerst den Kettendurchhang prüfen. Eine zu lockere Kette wirkt wie ein Peitschenhieb, wenn die Kraft wieder einsetzt.
Ebenfalls immer einen Blick wert: die Güte der Ruckdämpfer (siehe oben). Bei einem neuer Dämpfer schmiere sie ganz leicht mit Silikonfett ein. Dann flutschen sie besser rein und halten länger geschmeidig. WD-40 oder Mineralölfett haben dort nichts verloren, da sie den Gummi aufquellen lassen und zerstören.
FAQ
Stelle dein Gasgriffspiel ein! Wenn du erst 3 mm ‘Luft’ drehen musst, bevor der Zug greift, ist die Dosierung beim Gas anlegen fast unmöglich. Minimier das Spiel auf ca. 1 mm (aber achte darauf, dass der Motor beim Lenkeinschlag nicht von selbst hochdreht!).
Tendenziell ja, da der Kardan keine Kette hat, die Energie durch ‘Durchhang’ puffert. Moderne Systeme (wie BMW Paralever) gleichen das aber durch ausgeklügelte Momentabstützungen fast komplett aus.
Wenn du beim harten Beschleunigen oder im Schiebebetrieb ein ‘Klonk’-Geräusch vom Hinterrad hörst oder beim Gangwechsel ein deutliches Spiel spürst, sind die Gummis im Hinterrad oft verschlissen oder geschrumpft.
Wenn du keine neuen Gummis zur Hand hast, hilft (provisorisch!) ein alter Fahrrad- oder Motorradschlauch.
- Hinterrad raus: Kettenradträger aus der Felge ziehen (der fällt einem meist schon entgegen, wenn die Gummis platt sind).
- Zuschneiden: Schneide kleine Rechtecke oder Streifen aus dem alten Gummischlauch zu. Sie sollten etwa die Größe der Flanken der Ruckdämpfer-Segmente haben.
- Beilegen: Klemm diese Gummistreifen als ‘Distanzscheiben’ zwischen die originalen Ruckdämpfer-Gummis und die Metallstege der Felge.
- Zusammenbau: Der Kettenradträger sollte jetzt wieder saugend und stramm in die Felge flutschen. Wenn du Gewalt brauchst, ist der Schlauch zu dick.
Mit den Schlauchstücken eliminierst du das mechanische Leerspiel und der Antriebsstrang ist sofort ‘vorgespannt’. Das Resultat kann sogar verblüffend ausfallen, wenn die Lastwechsel sich plötzlich wieder butterweich anfühlen.
Allerdings: Das ist eine Notlösung oder ein Diagnose-Mittel! Gummi von Schläuchen ist weder benzinfest noch besonders abriebfest. Es hält eine Weile, aber es ersetzt keinen neuen Satz Dämpfergummis, wmit es sich praktisch nur zur Notreparatur auf einer Tour eignet.

