Die Zeiten haben sich geändert, ganz klar, Zeitenwende und so. Eine der Folgen: Zusehends ersetzt Eigenarbeit den Ruf nach einem Handwerker und mittlerweile auch den Gang zur nächsten Werkstatt. DIY ist angesagt, wenn auch nicht unbedingt aus Spaß, sondern aus purer Notwendigkeit.

Allerdings: Nicht in allen Situationen spart man auch tatsächlich Geld oder ist der Aufwand gerechtfertigt. Ob der Reifenwechsel Motorrad im DIY-Verfahren zu der einen oder anderen Kategorie gehört? Entscheide selbst …

Reifenwechsel Motorrad:  Vertragswerkstatt

Deine autorisierte Vertragswerkstatt in der Großstadt dürfte vermutlich die schlechteste Lösung darstellen, wenn Geld eingespart werden soll oder muss. Zum einen steigt sie mit hohen Arbeitskosten in die Preisverhandlungen ein, zum anderen ist sie bestrebt, dir ein profitables Komplettpaket anzudienen statt in gewöhnliche Zulieferarbeiten einzuwilligen, die nur Personal binden, aber nicht viel einbringen.

Das Dilemma: Willst du beim Reifenwechsel sparen, erreichst du das beste Ergebnis, wenn du die zeitintensiven Arbeiten wie Raddemontage und Rückbau selbst erledigst und den Reifen günstig im Internet beziehst. Die Vertragswerkstatt auf der anderen Seite ist oft verwöhnt von zahlungskräftigen Kunden, die bislang noch jede Rechnung schluckten, und rümpft bei ausgebauten Rädern und mitgebrachten Neureifen die Nase. Verbleibt ihr nur das Auf- und Abziehen der Reifen, der Ventiltausch und das Auswuchten (plus die Befürchtung, bei Gewährleistungsfällen Probleme zu bekommen), ist eine Abfuhr deines Anliegens sehr wahrscheinlich.

Reifenwechsel Motorrad: freie Werkstatt

Toleranter verhalten sich meist die freien und Hinterhof-Motorrad-Werkstätten. Dort bereitet es kaum Probleme, im Vorfeld ausgebaute Räder samt günstig erworbene Reifen anzuliefern. Für die Arbeit an sich werden in der Regel faire Preise berechnet, etwa um die 20.- Euro pro Rad, all inclusive. Selbst wenn du ihnen dein Bike komplett vor die Tür stellst, bewegen sich die Kosten meist im erträglichen Rahmen, weil die Stundenlöhne geringer ausfallen als in einer Vertragswerkstatt.

Reifenwechsel Motorrad: Reifenbude

Relativ preisgünstig sind auch spezielle Reifenbuden, die einen Großteil ihrer Existenz damit verbringen, einfach nur Reifen aufzuziehen. Ihnen ist es meist ebenfalls egal, wo du deine Reifen gekauft hast, allerdings solltest du die folgenden Dinge im Hinterkopf behalten:

  • Verzichte besser darauf, ihnen das Bike komplett zu überlassen. Allzu oft haben die auf Autos spezialisierten Werkstätten keine Ahnung, wie sie mit Motorrädern umgehen sollten, welche Anzugswerte für Achsen, Klemmschrauben und andere Komponenten gelten und wie sie es vermeiden, dir so nebenbei die Felgen zu ramponieren. (Bei manchem Motorrad fällt die Lackierung im Felgenbereich so weich aus, dass selbst gestandene Zweirad-Mechaniker Mühe haben, die Reifen ohne Felgenkratzer umzuziehen.)
  • Verfügt die jeweilige Reifenbude nicht über die richtigen Auswuchtmaschinen, passen die Felgen nicht drauf und Improvisationen sind zu befürchten.
  • Allzu oft wird der Auswuchtpunkt ignoriert. Dies ist eine von verschiedenen Reifenherstellern (nicht allen) angebrachte Markierung, die anzeigt, wo in der Pelle Material eingespart wurde, um das Ventilgewicht auszugleichen. Logischerweise sollte sich dieser Punkt über dem Ventil befinden. Ist es nicht der Fall, muss die Felge unter Umständen mit mehr Auswuchtgewichten als eigentlich notwendig beglückt werden. (Wie angedeutet: Es gibt Reifen, die haben keinen, aber wenn er schon mal da ist, sollte man ihn nutzen.)
  • Die Bremsscheiben können in der Regel drauf bleiben, entfernen solltest du hingegen das Kettenrad, alle Spacer und die Tachowelle (falls vorhanden).
Auswuchtpunkt
Überraschung: Es gibt ihn tatsächlich, den Auswuchtpunkt. – auch wenn er nicht brutal wichtig ist, weil man ohne Berücksichtigung genauso gut zu Rande kommt.
Schlag weiter nach:
Wörbung
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Gebloggt!
Videotipp*

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Workshops
Gabel entspannen

Verspannte Motorradgabel ausrichten …

Motorradhebebühne, Hebebühne Motorrad

DIY-Hebebühne ohne Schweißgerät!

Zahnriemen, Ducati, Zahnriemen Ducati

Zahnriemenwechsel Ducati Scrambler.

Workshop: Reifenwechsel Motorrad in Eigenregie

Einen Reifenwechsel selbst machen, ist die finanztechnisch beste Lösung, für Unerfahrene hält sie aber Fallstricke bereit – immer auch abhängig von der Größe der Reifen. Ein dünner Mopedreifen ist halt einfacher zu tauschen als die fetten Puschen moderner Muscle Bikes. Ebenso bedarf es eines gewissen finanziellen Erstaufwandes für gutes Werkzeug, ohne dem ein Wechsel und anschließendes Auswuchten kaum anständig zu bewerkstelligen sein wird.

Wer es trotzdem selbst versuchen möchte, hier eine Anleitung. Beherzige aber Folgendes.

  • Wird einem Reifen eine Montageanleitung beigelegt, die dem hier Gesagten widerspricht, halte dich an die Herstellerbeschreibung. Nicht alle Reifen werden auf gleiche Weise aufgezogen.
  • Die Reifen sind dein Direktkontakt zur Straße und sollten auf keinen Fall falsch montiert werden. Im Zweifel suche einen Spezialisten auf. Wie gesagt, nicht immer ist es sinnvoll, eine Arbeit selbst zu erledigen.
  • Fährst du nur wenige Kilometer pro Saison, amortisiert sich der Aufwand für vernünftiges Werkzeug nur sehr schleppend. Unter Umständen fährst du günstiger, wenn du dich darauf beschränkst, die Räder auszubauen, einen Reifen im Netz zu ordern und eine freie Motorrad-Werkstatt mit dem Wechsel zu beauftragen. Auf der anderen Seite: Wer pro Saison einen bis drei Reifen verheizt, für den oder die lohnen sich sogar professionelle Montagegeräte.

Was du benötigst:

Zunächst die Reifen, ganz klar. Schlage im Fahrzeugschein nach, welche Größe vorgeschrieben ist, und besorge dir deinen Wunschreifen dort, wo er am günstigsten angeboten wird. Hast du dein Motorrad gebraucht gekauft, richte dich nicht danach, welche Pellen aufgezogen sind; der Vorbesitzer kann andere verbaut haben als vorgeschrieben. Zu mehr Details über die gesetzliche Lage der Dinge, was Reifenbindung und Nachrüstung betrifft, konsultiere bitte diesen Artikel.

Reifen, Motorradreifen
Reifenwechselwerkzeug

Welches Werkzeug du zum Ausbau der Räder  deines Bikes benötigst und welche Schritte notwendig sind, erzählt dir dein spezielles Werkstatthandbuch. Es hält auch die notwendigen Drehmomentwerte für den späteren Rückbau bereit.

Darüber hinaus  benötigst du:

Montierhebel/Montiereisen (3 Stück) und Reifenlöffel (ein bis zwei) zum Aus- und Einhebeln der Reifenkanten über die Felgenränder. Besorge dir mindestens zwei, besser drei stabile Montiereisen plus einen oder zwei Reifenlöffel. Die Löffel sind ein wenig kleiner und eignen sich gut, wenn der Reifen bereits ein Stück weit mit den größeren Montiereisen über die Kante gehebelt worden ist. Als Alternativen schlage jedes Provisorium in den Wind; sie werden dir nur die Felgen verhunzen und/oder den Reifen zerstören. Kosten: Einzeln ab 5.- Euro pro Stück, zusammen mit Felgenschoner im Paket* etwa ab 15.- Euro (meist 3 Stück).

Felgenschützer aus Hartplastik (vier Stück), die du unter die Reifenlöffel legst, um – wer hätte das gedacht? – die Felge zu schützen. Je nach Beschaffenheit, Material und Einsatzhäufigkeit kann es passieren, dass die Teile relativ schnell brüchig werden, aber dann besorge dir halt neue. Panzertape in mehreren Schichten lässt sich bestenfalls im Notfall verwenden, aber (wie mehrere Lagen Putzlappen) scheuert sich Gaffa naturbedingt noch schneller auf als die Plastikschalen. Kosten der Schoner (meist 5 Stück) ab etwa 10.- Euro, im Paket* mit Reifenlöffel (dann aber meist nur 3 Stück) ab etwa 15.- Euro.

*Hinweis: Reifenwechselsets,  bestehend aus Reifenmontierhebel (meist 3 Stück), Felgenschützer (ebenfalls meist 3 Stück), Ventilschlüssel, Ventilkerne und Ventilkappen, kosten ab etwa 20.- Euro aufwärts.

Suche Reifenwechselwerkzeug
Ja, reingelegt, kein Link, keine Werbung. Musste selbst suchen …

Montage-Schmiermittel: Dieses Zeugs ist speziell für den Reifenwechsel entwickelt und lufttrocknend. Als Alternative verwendet der eine oder andere DIY-Schrauber Seifenwasser (Gemisch aus Wasser mit Seife oder Spülmittel), das ebenfalls an der Luft wegtrocknet. Fette hingegen solltest du nicht in Betracht ziehen. Du riskierst, dass sich der Reifen später in der Felge dreht. Was du ganz bestimmt nicht haben willst. Nicht beim Beschleunigen und auch nicht beim Bremsen. Kosten: ab etwa 10 .- Euro für 1 kg.

Reifenmontagegerät: Erleichtert das Eindrücken und Abziehen der alten sowie das Aufziehen der neuen Pelle, weil du nicht auf dem Boden herumkriechen musst und vielleicht sogar keine Montiereisen anschaffen musst. Außerdem sparst du dir selbst als Unerfahrener das Demontieren der Bremsscheiben. Kosten: ab etwa 70 .- Euro. Alternativ können ein hoher Plastikeimer oder Ähnliches oder zwei untergelegte Holzblöcke zum Einsatz kommen sowie ein Schraubstock zum Eindrücken des Reifens, wenn er von der Felge gelöst werden soll .

Auswuchtbock zum Austarieren der Räder (Kosten: ab etwa 40.- Euro).

Plastikschaber oder Cuttermesser und Bremsenreiniger zum Lösen der alten Auswuchtgewichte und deren Klebreste (um die 10.- Euro).

Ventilmontagewerkzeug (Einziehwerkzeug) für Gummiventile. Kräftige Hände können das Einziehen unter Umständen und bei Verwendung einer Montagepaste (oder von Seifenwasser) auch ohne Hilfsmittel bewerkstelligen. Kosten: um die 10.- Euro.

Kabelbinder: Kommen gut, wenn ein Reifenlöffel fixiert werden oder ein Reifen zum besseren Aufziehen zusammengebunden werden muss.

Kraft: Was dir an Werkzeug und Geschick fehlt, kann unter Umständen mit erhöhtem Kraftaufwand ausgeglichen werden. Insbesondere das Auf- und Abziehen des Reifens von der Felge wird dir einiges abverlangen, entweder in Form von Investitionen, cleverem Improvisationstalent oder halt kräftigen Händen.

Weitere Komponenten

Auswuchtgewichte zum Ausgleichen des Radgewichts. Die Gewichte sind meist als 5-Gramm-Elemente in 12er-Riegeln mit insgesamt 60 g erhältlich (ab 8.- Euro pro Riegel).

Neues Reifenventil bei schlauchlosen Reifen. Kosten: 1.- Euro (Gummiventil), 5.- Euro (Metallventil) und ab 10.- Euro (Winkelventil). Überprüfe beim Ausbau die Ventilbezeichnung (siehe FAQ unten) und beschaffe dir ein gleichwertiges, aber nach Möglichkeit als Metallausführung.

Neue Ventilkappen, idealerweise Metallkappen mit Dichtring. Kosten sind abhängig von der Ausführung: zwischen ein paar Cent bis mehrere Euro pro Stück.

Kompressor bzw. Reifenfüll-Messgerät: Kosten: ab etwa 30.- Euro aufwärts. Alternativ musst du deine Reifen zur nächsten Tanke bringen und dort mit Luft befüllen.

Ventile

Bei schlauchlosen Reifen ist darauf zu achten, dass Gummiventile (oder besser: Ventile mit Gummifuß) aus Sicherheitsgründen bei jedem Reifenwechsel erneuert oder durch Metallventile ersetzt werden. Weil sie nur mit einem Hartgummifuß in die Felge eingezogen werden, sind sie Verschleiß und Fliehkraft stärker ausgesetzt als Metallventile, die im Gegensatz zu ihnen in der Felge verschraubt werden. Sie sind generell weniger stabil und halten weniger dicht, altern schneller, werden rissig und können den starken Fliehkräften bei höheren Geschwindigkeiten nicht so viel entgegenhalten wie ihre Kollegen aus Metall. Ab welchen Geschwindigkeiten Metallventile sowieso eingesetzt werden müssen, ist zwar gesetzlich nirgends geregelt, Hersteller sprechen aber meist von 210 km/h als Grenzwert für Gummiventile oder schreiben bereits in Bereichen darunter Metallventile vor. Ein weiterer Vorteil von Metall- gegenüber Gummiventilen: Sie sehen besser aus und sind in unterschiedlichen Farben erhältlich. Demgegenüber sind Gummiventile flexibler und günstiger. (Siehe hierzu auch weiter unten in den FAQ: Welche Ventiltypen gibt es?)

Reifenwechsel Motorrad, Reifenventil

Upgrades: Wer bislang mit Gummi gefahren ist, aber der Sicherheit wegen aufrüsten möchte, kann dies meist problemlos tun, da es kaum Felgen gibt, die sich nicht eignen, ein Metallventil aufzunehmen. Achte nur darauf, dass sowohl die Ventilbohrung als auch die Felgenkontur passen.

Downgrades: Umgekehrt wird leider kein Schuh draus. Soll heißen: Wer bei der Auswahl des Ventils dem Sparschwein nachgeben will, sollte im Vorfeld der Umrüstung den Hersteller befragen, wie er das Anliegen sieht, denn nicht jede Felge mit Metallventil darf auch mit einem Gummiventil betrieben werden. (Siehe hierzu auch weiter unten in den FAQ: Welche Ventiltypen gibt es?)

Reifenwechsel-Vorbereitungen

Entferne das Verpackungsmaterial vom Reifen und lasse ihn einen Tag herumliegen, damit er seine natürliche Form wieder annimmt. Stehen kurze Holzblöcke oder Leisten zur Verfügung, die so breit wie das Felgenbett sind, stecke sie in regelmäßigen Abständen zwischen die Reifenwülste, um den Reifen zu spreizen. Dies erleichtert den späteren Einbau und das Einfinden des Reifens im Felgenbett. Damit vermeidest du auch, dass sich eventuell keine Luft einfüllen lässt, weil die Reifenkante zu tief in der Felge liegt.

Sind an der Reifenwulst Nippel oder andere Produktionsüberschüsse zu erkennen, die beim Aufziehen eventuell zwischen Reifen und Felgenbett gelangen können, kürze sie im Vorfeld oder rasiere sie  ab. Schneide hierbei aber nicht in den Reifen hinein.

  • Baue die Räder aus, entferne das Kettenrad vom Hinterrad und die Bremsscheiben von beiden Rädern. Wenn du noch nicht sehr erfahren bist, riskierst du andernfalls Schäden an den Komponenten, wenn sie verbaut bleiben.
  • Sind die Bremsscheiben entfernt, kann es sein, dass beide Radseiten mehr oder weniger gleich aussehen. Markiere deshalb im Vorfeld auf der linken Seite das Rad mit einem Klebestreifen in Laufrichtung und stelle sicher, dass auch der Laufrichtungspfeil auf dem alten Reifenmantel in diese Richtung zeigt.
  • Wärme die neuen Reifen vor dem Wechsel an, entweder, indem du sie in der Sonne oder an der Heizung liegen lässt oder mit einem Haarfön aufwärmst.
Reifenwechsel Motorrad

Altreifen abziehen

  • Karkasse aus dem Felgenbett lösen: Entferne Ventilkappe und Reifenhalter (falls vorhanden) und lasse die Luft komplett aus dem Reifen bzw. dem Schlauch, indem du das Ventil öffnest oder es mit einem Ventilschlüssel aus dem Ventilschaft herausschraubst. Ist das Lösen der Reifenkarkasse aus dem Felgenbett nicht so ohne weiteres möglich (was die Regel sein wird), stelle dich breitbeinig auf das Gummi und versuche so, das Gummi aus dem Felgenbett zu pressen. Alternativ spanne den Reifen in einen Schraubstock (NICHT die Felge aus Versehen mit einspannen oder zerkratzen). Hierbei löst du die Seitenwände auf beiden Seiten aus dem Felgenbett, bis der Reifen locker in der Felge liegt.
  • Reifenkante über Felgenkante stülpen: Lege das Rad auf ein Polster oder dicken Tüchern auf dem Boden, stecke einen Felgenschützer auf den Felgenrand und hebele die erste Seitenwand des Reifens mit einem Montiereisen über die Felgenkante. Achte darauf, dass du am Ventil startest und sich die gegenüberliegende Seite der Reifenkante im Felgenzentrum befindet. Ist es der Fall, hast du den maximalen Freiraum zum Überstülpen der Kante.
  • Lässt du das Montiereisen los, wird der Reifen sofort ins Felgenbett zurück schnappen. Fixiere es deshalb mit einem Kabelbinder an der Felge (wenn du alleine arbeitest).
  • Setze ein zweites Eisen am zweiten Felgenschützer an und hebele die Reifenkante auch dort über den Felgenrand, dito mit dem dritten und einen eventuellen vierten Montierhebel. Entferne die erste Reifenseite über den gesamten Umfang von der Felge; achte dabei darauf, die Felge nicht zu verkratzen und einen eventuell vorhandenen Schlauch nicht zu beschädigen.

Der Abstand, in denen die Montiereisen angesetzt werden, hängt von Größe und Beschaffenheit des Reifens ab, bei normal großem und gut angewärmten Gummi sind um die 12 bis 15 Zentimeter (ca. 1/6 bis 1/5 des Radumfangs) meist eine gute Wahl. Alternativ lege die Felgenschützer eng nebeneinander und halte dich an ihnen.

Verfügst du nur über zwei Montiereisen insgesamt, halte das erste nach dem Überstülpen fest und hebele die Reifenkante mit dem zweiten um die 15 Zentimeter daneben heraus (alternativ auf dem zweiten Schützer). Halte jetzt das zweite Eisen fest, löse das erste und setze es um die 15 Zentimeter neben dem zweiten (alternativ auf dem dritten Schützer) wieder an. Fahre auf diese Weise abwechselnd fort, bis die Reifenkante rundum über die Felge gezogen ist.

  • Löse das Ventil und ziehe den Schlauch von der gegenüberliegenden Seite aus vollständig heraus (falls vorhanden). Bei schlauchlosen Reifen schneide das alte Gummiventil ab und ziehe es nach hinten aus der Felge (schneide NICHT ins Felgenmetall). Ein Metallventil wird ausgeschraubt. Soll ein Metallventil ein weiteres Mal verwendet werden, prüfe es penibel auf Beschädigungen und verwende bei Bedarf einen neuen Ventileinsatz mit neuen Dichtungen.
  • Prüfe den Ventilsitz. Er darf keine Beschädigungen aufweisen und muss schmutzfrei sein.
  • Trage bei Bedarf Montagepaste auf den anderen Rand des Reifens auf, der sich noch innerhalb der Felge befindet und hebele die zweite Reifenseite auf die gleiche Weise über die Felge wie vorher die erste. Meist wird es schneller gehen als vorher und kann ab einem gewissen Punkt sogar mit der Hand erfolgen.
  • Reinige die Innenseite der Felge mit einem feuchten Tuch und überprüfe Felgenboden und Felgenbett auf Beschädigungen. Ist bei einem Schlauchreifen die Folie eingerissen oder sonstwie beschädigt, tausche sie aus, um zu vermeiden, dass der Schlauch in Mitleidenschaft gezogen wird.
  • Entferne die alten Auswuchtgewichte vorsichtig mit einem Plastik- oder Cuttermesser. Beschädige auf keinen Fall das Metall der Felge und entferne die Klebreste mit Bremsenreiniger oder WD-40.
Klebereste Auswuchtgewicht

Neureifen aufziehen

  • Lege den neuen Reifen so auf das Rad, dass der Laufrichtungspfeil in Fahrtrichtung zeigt. Hast du linksseitig eine Markierung vorgenommen, sollte der Pfeil auf der Reifenflanke nach vorne zeigen (wenn er oben liegt).
  • Bei schlauchlosen Reifen drücke jetzt das Gummiventil von der Innenseite der Felge in den Ventilsitz und ziehe es mit Hilfe des Ventilmontagwerkzeugs in die Felge ein. Metallventile werden verschraubt; beachte hierbei das vom Hersteller angegebene Drehmoment. Überprüfe den korrekten Sitz des Ventils in der Felge, bevor du fortfährst.
  • Schmiere Reifen- und Felgenkanten rundum mit Montagemittel ein und stülpe die erste Reifenkante über den Felgenrand. Je nach Reifen kann es rundum mit der Hand gelingen, falls aber nicht, nehme Reifenlöffel und Felgenschoner zur Hilfe.
  • Bei Schlauchreifen: Pumpe den neuen Schlauch ein klein wenig auf, so dass er sich nicht so leicht verdrehen kann, und führe das Ventil durch die Ventilöffnung in der Felge. Verschraube es, richte den Schlauch penibel unverdreht innerhalb des Reifens aus und achte darauf, dass das Ventil absolut gerade herausschaut.

Achte auf den Auswuchtpunkt (falls vorhanden). Drehe den Reifen so auf der Felge, dass der Auswuchtpunkt über dem Ventil steht. Wie weiter oben bereits beschrieben, ist der Reifen am Auswuchtpunkt herstellerseitig minimal im Gewicht reduziert, um das Gewicht des Ventils auszugleichen.

  • Drücke die bereits in der Felge liegende Reifenkante an einer Position gegenüber des Ventils in die Felgenmitte. Das Felgenzentrum ist, wie gesagt, der tiefste Punkt, so dass du den maximalen Freiraum zum Drüberstülpen der zweiten Reifenseite hast.
  • Drücke die zweite Reifenkante gegenüber des Ventils über die Felgenkante und verfahre bei ‚fügsamen‘ Reifen wie vorher rundum, bis du mit der Hand nicht mehr weiterkommst. Spätestens dann verwende Reifenlöffel bzw. Montiereisen und Felgenschützer und stülpe den Rest in die Felge.

Die zweite Reifenkante ist allgemein schwerer über die Felgenkante zu bewegen, ganz besonders im letzten Abschnitt. Aber mit Geduld und in kleinen Schritten wird es gehen. Zur Not erwärme den Reifen, wie gesagt, ein weiteres Mal.

Bei schlauchlosen Reifen achte darauf, dass die Reifenkanten perfekt im Felgenbett liegen und sich der Reifen am Felgenhorn einhängt, damit beim Aufpumpen keine Luft entweicht.

  • Bei Schlauchreifen ziehe das Ventil fest. Allerdings mit Gefühl; bei bombenfesten Ventilen riskierst du, dass sie sich unter Belastung verdrehen und abreißen.
  • Fülle Luft ein und pumpe den Reifen auf, bei härteren, schlauchlosen Reifen zunächst mit etwa 1 bar mehr als der empfohlene Luftdruck, damit er sich gut in die Felge einpasst. Der Reifen muss zwei Mal hörbar ploppen. Tut er das nicht, muss die Luft abgelassen und der Reifen neu ausgerichtet werden. Bei einem Schlauchreifen muss nicht auf perfektem Sitz des Reifens in der Felge geachtet werden, da der Schlauch ihn beim Aufpumpen ausrichtet und an die richtigen Stellen drückt.
  • Lasse den Reifen mehrmals auf den Boden fallen (also vertikal natürlich, damit er hüpft). Dadurch passt er sich weiter in die Felge ein.
  • Senke den Luftdruck auf den vorgeschriebenen Wert und sprühe die Reifenseiten und das Ventil anschließend mit Seifenwasser ein, um Lecks zu entdecken, an denen Luft entweicht. Kontrolliere ferner den Ventilsitz. Das Ventil muss zweifelsfrei gerade in der Ventilbohrung der Felge sitzen. Falls vorhanden, ziehe den Reifenhalter fest, damit sich der Reifen unter Belastung nicht verdrehen kann und das Ventil abreißt.
  • Schraube die Ventilkappe auf, um das Ventil vor Schmutz zu schützen und den Reifen besser abzudichten und entferne überschüssige Montagepaste mit einem Tuch.

Auswuchten

Auswuchten ist keine Raketenwissenschaft, selbst wenn du über kein entsprechendes Gerät verfügst. In dem Fall befestige die Radachse so zwischen zwei beliebigen Bauelementen, dass sie stabil in der Waage steht und sich das Rad frei drehen kann.

Gibst du dem Rad einen Schubs in eine beliebige Richtung, wird es an seinem schwersten Ende automatisch der Schwerkraft folgen und dort zur Ruhe kommen (also bei 6:00 Uhr). Ist es geschehen, klebe auf dem gegenüberliegenden obersten Punkt (also 12:00 Uhr) provisorisch mit Gaffa ein Auswuchtgewicht an. Drehe dann das Rad auf 3:00 Uhr und schaue, wie es reagiert, wenn du es loslässt.

Tendiert es wieder in die Ausgangstellung zurück, erhöhe das Gewicht und wiederhole den Test. Bleibt das Rad auf 3:00 Uhr stehen, überprüfe, ob es rundum in verschiedene Positionen gebracht werden kann, ohne dass es sich von alleine wieder in Bewegung setzt. Bleibt es in allen Fällen stabil stehen, verklebe das oder die jeweiligen Gewicht(e) permanent.

Hinweis: Verwendest du RDKS-Sensoren, schraube sie vor dem Auswuchten auf (siehe unten die FAQ).

Auswuchtgewicht
Können schon mal mehr werden …

Radeinbau

Zum Radeinbau ziehe dein spezielles Werkstatthandbuch zu Rate. Zur Vorsicht sei angeraten, die Felge, den Reifen und die Bremsscheiben zu reinigen, um eventuelle Dreck- oder Klebereste zu entfernen. Auch vergiss‘ nicht, die Bremsbeläge vor der ersten Ausfahrt wieder an die Scheibe heran zu pumpen.

Hinweis: Zum Entspannen der Gabel nach einem Radausbau siehe diesen Artikel.

FAQ Motorrad-Reifenwechsel

Was passiert, wenn ich die Ventilkappe vergesse?

Je höher die Geschwindigkeit, desto höher die Fliehkraft der Räder und desto höher die Belastung für die Ventile. Fehlen dann die Dichtkappen, können die Ventile sich öffnen und Luft aus dem Reifen entweichen lassen. Ist dies lange genug der Fall, überhitzt der Reifen und kann platzen. Bei langen Ventilen geschieht dies eher als bei kurzen, allerdings können generell ein zu geringer Reifendruck, intensive Brems- und Beschleunigungsaktionen und erschlaffte Ventilfedern die Grenze für einen Luftverlust deutlich unter 200 km/h drücken.

Ventilkappen mit Dichtringen wirken diesem schleichenden Verlust entgegen. Außerdem verhindern sie, dass der Ventilschaft verschmutzt oder korrodiert. (Die Verschmutzungen können beim Befüllen des Reifens zwischen die Ventildichtungen gedrückt werden, wodurch das Ventil nicht mehr zuverlässig schließt und Luft ebenfalls schleichend entweichen kann.)

Metall-Ventilkappen eignen sich übrigens am besten, da sie praktisch immer über innere Dichtringe verfügen, während Plastikkappen eine Dichtung haben können und Zier- oder Gummikappen nur dem Schutz vor Wasser und Verschmutzungen dienen.

Ventilkappe
Plastikkappen immer vorsichtig aufschrauben, da sie dazu neigen, einzureißen.
Warum sollten Gummiventile bei jedem Reifenwechsel erneuert werden?

Gummiventile bewegen sich immer ein klein wenig im Felgensitz, so dass die Abdichtung mit der Zeit abnimmt. Je länger dabei der Ventilschaft, desto stärker die Bewegungen und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass am Sitz gezerrt wird bzw. dass das Gummi spröde/rissig wird.

Welche Ventilarten gibt es?
  • Schrader-Ventil: Das Schrader-Ventil verfügt über einen inneren Ventilkern, der herausgedreht wird, um Luft abzulassen. Andere Bezeichnungen sind Auto- und Standardventil.
  • Dunlop-Ventil: Bei Fahr- wie Motorrädern zu finden, gleicht das Dunlop- oder Blitzventil äußerlich zwar dem Schrader-Ventil, verfügt aber über einen nicht herausdrehbaren Ventilkern. Um es zu öffnen, wird der Ventilverschluss eingedrückt.
  • Sclaverand-Ventil: Das auch als französisches oder Presta-Ventil bekannte Sclaverand-Ventil ist nur bei wenigen Motorrädern anzutreffen und ist sichtbar dünner als das Schrader-Ventil.
  • Metrisches Ventil: Oft bei Motorrädern anzutreffen, gleicht das metrische Ventil dem Schrader-Ventil, ist aber etwas dünner und benötigt per se eine spezielle Metallkappe.
Welche Ventilbezeichnungen gibt es?
  • TR4: Schrader-Ventil, anzutreffen bei Straßen-Motorrädern.
  • TR412: Schrader-Ventil, anzutreffen bei Straßen-Motorrädern.
  • TR6: Langes Schrader-Ventil, anzutreffen bei Offroad-Motorrädern.
  • TR87: Metrisches Ventil, anzutreffen bei Motorrädern und Rollern.
  • TR13: Kurzes Schrader-Ventil, anzutreffen bei Motorrädern und Rollern.
  • TR15: Mittellanges Schrader-Ventil, anzutreffen bei Motorrädern und Rollern.
  • TR218: Langes Schrader-Ventil, anzutreffen bei Offroad-Motorrädern.
  • V2-8: Winkelventil (Schrader), anzutreffen bei Motorrädern und Rollern.
  • Dunlop-Ventil: Ältere Ventilart, anzutreffen bei Oldtimern / älteren Motorrädern.
  • Sclaverand-Ventil: Dünnes Ventil, meist anzutreffen bei Fahrrädern.
Welche Ventiltypen gibt es?
  • Schlauchventile: Schlauchventile sind meist lange Ventile, die bereits in den Schlauch eingearbeitet sind.
  • Gummiventile: Ventile mit Gummifüßen werden bei schlauchlosen Reifen verwendet und in die Felge eingedrückt (‚Snap-ins‘).
  • Metallventile: Ventile aus Metall werden ebenfalls bei schlauchlosen Reifen verwendet, aber in der Felge verschraubt (‚Clamp-ins‘). Im Gegensatz zu Gummiventilen sind sie langlebiger.
Reifenwechsel Motorrad, Reifenventil
Soll ich besser lange, kurze oder winkelige Ventile verwenden?

In Schläuchen sind in der Regel lange Ventile verbaut, da kann man wenig dran drehen. Allerdings lassen sich in allen langen Ventilschäften zumindest kurze Ventileinsätze eindrehen.

Bei schlauchlosen Rädern lässt sich zwischen langen, kurzen und Winkel-Ventilen wählen:

  • Lange Ventile können hinderlich beim Befüllen sein und die Reifendruckkontrolle erschweren. Am Vorderrad stören die Bremsscheiben, am Hinterrad ist es entweder die Bremsscheibe, das Kettenrad oder die Felge selbst, die ein Anlegen des Steckadapters des Luftbefüllers behindert. Manchmal so stark, dass er sich auch nach etlichen Verrenkungen nicht korrekt aufsetzen lässt und mehr Luft entweicht, als man hineinbekommt. Außerdem neigen lange Ventile zum Wegknicken bei hohen Geschwindigkeiten und können so am Sitz undicht werden.
  • Kurze Ventile empfehlen sich für schnelle Motorräder, da sie sich weit weniger im Sitz bewegen. Außerdem sind sie besser erreichbar, wenn Luft nachgefüllt oder der Druck kontrolliert werden muss.
  • Winkelventile aus Metall lassen sich von allen Ventilarten am bequemsten bedienen, da ein seitlicher Zugang praktisch immer erreichbar ist. Allerdings sind sie deutlich teurer als übliche Metallventile. Immerhin müssen sie nicht bei jedem Reifenwechsel erneuert werden. Hinweis: Winkelventile müssen zur Ventilbohrung und der Felgenkontur passen und benötigen unter Umständen mehr Auswuchtgewichte.
Wie verbaue ich RDKS-Sensoren?

RDKS-Sensoren dienen der Reifendruckkontrolle von außen. Sie signalisieren dem Fahrer via Bluetooth auf einer Smartphone-App oder einem Extra-Display die Temperatur und den aktuellen Luftdruck des Reifens und werden statt der Ventilkappen auf die Ventile aufgeschraubt.

Beim Nachrüste solcher Kontrollsysteme ist darauf zu achten, nach Möglichkeit gerade Stahlventile zu verwenden. Snap-in-Gummiventile verformen sich bei höheren Geschwindigkeiten bereits von Natur aus und können durch das höhere Gewicht der Sensoren zusätzlich belastet werden, wodurch das Risiko einer Ventil-Undichtigkeit steigt. Bei abgewinkelten Ventilen besteht zusätzlich das Problem einer dynamischen Unwucht, insbesondere in Schräglage.

Es empfiehlt sich ferner, RDKS-Sensoren nicht nur mittig über ein gerades Metallventil zu montieren, sondern ebenso, die Felge neu auszuwuchten.

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