
Motorradlenkung
Die Motorradlenkung erfolgt über den Lenkkopf als Teil des Rahmens. Dort ist das Lenkschaftrohr mit oberer und unterer Gabelbrücke gelagert und erlaubt die Drehung des Vorderrads über den Lenker.
Lenkkopf
Der Lenkkopf ist Teil des Motorradrahmens und beherbergt die untere Gabelbrücke mit dem Lenkschaftrohr sowie zwei Lageraufnahmen oben und unten. Beide Lenkkopflager sollten in regelmäßigen Abständen überprüft, gewartet und bei Schäden oder Verschleiß ausgetauscht werden.
Lenkimpuls
Ein Lenkimpuls bewirkt eine Fahrtrichtungsänderung und kann a) beabsichtigt durch eine Lenkerbewegung oder Gewichtsverlagerung erfolgen oder b) unbeabsichtigt durch Bodenwellen, Schlaglöcher, Fahrwerksdefekte oder Fahrwerksschwingungen.
Lenkeinschlag
Der Lenkeinschlag ist der (Motorradmodell-abhängige) Weg, den der Lenker aus der Mittelstellung heraus nach links oder rechts gehen kann, bevor er durch die Lenkanschläge am Lenkkopf gestoppt wird. Die Anschläge verhindern, dass sich das Vorderrad in einem zu weiten Winkel zur Fahrtrichtung eindrehen lässt (Sturzgefahr!).
Lenkungsdämpfer
Ein Lenkungsdämpfer wird zwischen Rahmen und Lenkeinheit verbaut, stabilisiert die Lenkung und vermindert bzw. unterbindet Lenkerflattern.
Lenkerflattern
Lenkerflattern (Lenkerschlagen, Kickback) tritt üblicherweise bei moderaten Geschwindigkeiten ab ca. 60 km/h auf und verschwindet bei > 80 km/h wieder. Ursächlich ist oft die Beschaffenheit des Vorderreifens, der die normalen Pendelbewegungen des Bikes über die Gabel auf die Lenkung überträgt. Allerdings muss es nicht zwangsläufig am Reifen liegen, weshalb auch andere Ursachen in Erwägung gezogen werden müssen, beispielsweise defekte Lenkkopflager. Auch eine zu hohe Druckstufendämpfung oder eine zu starke Federvorspannung an der Gabel können Lenkerschlagen begünstigen.
Unter Umständen schafft ein Lenkungsdämpfer Abhilfe, es muss aber trotzdem überprüft werden, ob keine der anderen Ursachen vorliegt. Der Dämpfer selbst kann keine Schäden reparieren oder ungeschehen machen.
Lagerdiagnose
Rastpunkte
Lenkkopflager verschleißen – dummerweise zunächst nur unmerkbar. Was daran liegt, dass man beim Fahren kaum mehr als wenige Grad aus der Mittelstellung herauskommt und obendrein in dieser Stellung laufend Stöße von der Fahrbahn abfängt, sodass sich eben diese Mittelstellung im Laufe der Zeit in die Lagerschale ‘eingräbt’. Bemerken tut man davon kaum etwas – es sei denn, man bockt das Vorderrad hoch und lässt den Lenker von links nach rechts schwingen. Ertastet man dabei Rastpunkte, muss das Lager gewechselt werden, bevor es zum Problem wird. Der TÜV prüft übrigens auch auf diese Rastpunkte.
Lagerspiel
Eine andere Diagnostik betrifft das Lagerspiel. Angenommen, das Vorderrad ist sich noch aufgebockt, knie’ dich vor die Gabel und ziehe sie an den Füßen zu dir hin und drücke sie wieder weg. Knackt es, besteht Lagerspiel. Hierzu ziehe die Lenkschaftsmutter fest – mit Drehmoment!
Kegelrollen- vs. Kugellager
Viele rüsten beim ersten Wechsel von originalen Kugellagern auf Kegelrollenlager um. Warum? Weil sie mehr Last aufnehmen können und langlebiger sind.
Ist das Lenkkopflager getauscht oder neu geschmiert und eingestellt worden, überprüfe nach den ersten 100 km unbedingt das Spiel erneut. Lager setzen sich oft noch minimal. Ein zu loses Lager kann bei einer Vollbremsung zum Kontrollverlust führen.
FAQ
Nur mit Drehmoment! Zu fest zerstört das Lager sofort, zu locker führt zu Instabilität und TÜV-Mängeln.
Nein, er bekämpft nur das Symptom (Flattern), nicht die Ursache. Erst das Fahrwerk und die Reifen in Ordnung bringen, dann den Dämpfer als zusätzliches Sicherheitsnetz nutzen – falls überhaupt noch notwendig.
Das ist ein klassisches Indiz für einen Unfallschaden. Wenn der Metallsteg am Rahmen verbogen oder abgeplatzt ist, hat die Gabel einen heftigen Schlag bekommen.



